Ob George Clooney das weiß?


Ob George Clooney das weiß?

Der Hollywood-Star macht Werbung für die Kaffeekapseln von Nespresso. Die Umweltbilanz der Alu-Döschen ist jedoch ziemlich mies

40 Millionen Dollar soll Hollywood-Star George Clooney für sein charmantes Lächeln und den Satz „Nespresso. What else?“ im Werbespot für den Kaffeekapsel-Produzenten verdienen. 20 Sekunden ist Clooney in dem Filmchen zu sehen, das macht eine Gage von zwei Millionen Dollar pro Sekunde. Warum sich Nespresso das leisten kann? Das Unternehmen aus dem schweizer Nestlé-Imperium erwirtschaftet jährlich laut Schätzungen rund fünf Milliarden Schweizer Franken (ca. 4,5 Milliarden Euro). Da sind ein paar Millionen für Clooney gut investiert.

Die bunten Aluminiumkapseln gelten weltweit als Luxusprodukt. Wer Gästen zuhause den Clooney-Kaffee serviert, beweist Geschmack, Status, Stil. In der Soziologie wird diese Art des Konsums auch demonstrativer Konsum genannt. Das ist nicht verwerflich, es gibt viele Wege, seinen Konsum zu demonstrieren: Autos, Kleidung, Schmuck. Jetzt kommt aber der Haken: Die Alukapseln sind – werden sie nicht richtig entsorgt – höchst umweltschädlich. Die Stiftung Warentest hat den Kapselmüll in Deutschland 2015 auf 5.000 Tonnen Abfall hochgerechnet. Laut dpa fallen darunter  Alukapseln wie bei Nespresso, aber auch Plastikkapseln von anderen Anbietern.

Der Verkauf von Nespresso-Kapseln ist in den vergangenen Jahren in Deutschland stark angestiegen. Das zeigen Zahlen des Deutschen Kaffeeverbandes: Lag der Kapselkonsum im Jahr 2008 noch bei 800 Tonnen, so ist die verkaufte Menge bis 2015 auf 20.600 Tonnen gestiegen. 2016 machten Kapseln bereits einen Anteil von 5,6 Prozent am gesamten Kaffeemarkt aus. Tendenz: steigend. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr mehr als drei Milliarden Kaffeekapseln verbraucht werden. Und längst sind andere Unternehmen in das Alu-Geschäft eingestiegen, darunter auch Discounter wie Aldi und Lidl. Selbst Tee und Milch gibt es bereits in Kapseln.

Sechs Gramm Kaffee und fünf Gramm Verpackung

Dieser Boom hat Folgen für die Umwelt. Die Unternehmen werben zwar damit, dass die Alukapseln recyclebar und wiederverwendbar sind, tatsächlich werden die bunten Döschen aus Neumaterial hergestellt. Die DUH rechnet vor: „Auf sechs Gramm Kaffee kommen circa drei Gramm Aluminium oder Kunststoff für die Einzel-Verpackung und noch mal zwei Gramm Papier für die Umverpackung. Das macht also auf sechs Gramm Kaffee stolze fünf Gramm Verpackung.“ Außerdem sei die Herstellung extrem aufwendig, und benötige Unmengen an Wasser und Energie.

39 Cent kostet eine Nespresso-Kapsel im Schnitt

Den Preis zahlen die Verbraucher. 39 Cent kostet eine Kapsel bei Nespresso im Schnitt. Den höchsten Preis aber zahlt die Umwelt. Denn obwohl die Aluverpackungen recyclebar sind (soweit sie ohne Kaffeereste entsorgt werden), wissen wohl viele Verbraucher nicht, dass die Kapseln in den Gelben Sack gehören und entsorgen die leeren Hüllen im Bio- oder Restmüll. Günter Dehoust vom Öko-Institut in Berlin sagt in einem Bericht von Spiegel Online: „Jemand, der sich für Kapseln entscheidet, hat meist kein so hohes Öko-Bewusstsein, dass er sich darüber informiert, wie er die Kapseln entsorgen muss.“

Die Deutsche Umwelthilfe rät insgesamt von den Aluminiumkapseln ab. Der Verband rät auf seiner Homepage: „Greifen Sie alternativ auf Aufbrühsysteme mit Papier- oder Dauerfilter oder elektrische Kaffeemaschinen zurück.“


Weiterführende Links

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kaffee-als-umweltsuende-muell-durch-kapseln-und-becher-a-1109434.html

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/Nespresso-macht-auf-Starbucks/story/22310957

http://www.duh.de/projekte/kaffeekapseln/