Der Knast-Kaffee


Der Knast-Kaffee

Zweite Chance als Barista: In dem englischen Gefängnis Aylesbury lernen Häftlinge, Spezialitätenkaffee zu rösten

 

 

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In einer ehemaligen Gefängnisküche nordwestlich von London befindet sich die wohl einzige Gefängnis-Rösterei der Welt. Dort, in “Her Majesty’s Young Offender Institution Aylesbury”, werden Straftäter zu Baristas ausgebildet. Sie produzieren Spezialitätenkaffee hinter Gittern.

In dem Knast sitzen 17- bis 21-jährige Männer lange Haftstrafen ab. Viele von ihnen haben nach ihrer Zeit hinter Gittern kaum eine Perspektive, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren – nur rund 17 Prozent der Gefangenen in Großbritannien finden nach ihrer Haftzeit wieder einen Job. Die Gefahr, wieder eine Straftat zu begehen, ist hoch. Um die Gefangenen schon während ihrer Haftzeit auf die Arbeitswelt vorzubereiten, gibt es Gefängnisjobs in Wäschereien, Werkstätten oder eben in einer Kaffeerösterei.

Derzeit werden 10 Häftlinge ausgebildet

Der Gefängnis-Kaffee wird unter der Marke „Redemption Roasters“ vertrieben, was so viel bedeutet wie „Wiedergutmachungs Röster“. Bis zu drei Tonnen Bohnen rösten die Häftlinge pro Woche – wie in anderen Gefängnisjobs bekommen sie ein kleines Gehalt (in Deutschland sind es etwa 1 Euro pro Stunde). In Workshops mit Baristas lernen die ausgewählten Mitarbeiter die Grundlagen und Feinheiten des Kaffeeröstens und das Handwerk der Kaffeezubereitung. Derzeit werden zehn Häftlinge angelernt. Schließen sie ihre Ausbildung erfolgreich ab, erhalten sie ein Barista-Zertifikat.

Die Idee für „Redemption Roasters“ entwickelten zwei Kaffeegroßhändler, nachdem sie von einer Ausschreibung des Justizministeriums erfahren hatten. Das Ministerium wollte ursprünglich nur Barista-Kurse in den Gefängnissen anbieten, war aber auch mit der Idee, eine ganze Gefängnis-Rösterei zu bieten einverstanden.

Stolz auf die Arbeit im Knast

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Max Dubiel, einer der Gründer: “Konzerne halten oft geheim, dass in Gefängnissen für sie gearbeitet wird. Wir dagegen sind stolz darauf und werben damit.“ Als Logo für „Redemption Roasters“ haben sich die Gründer ein illustriertes Schlüsselloch ausgesucht, das einer Röstmaschine ähnelt.

Auf seiner Homepage schreibt das Unternehmen: „Wir wissen, dass Häftlinge, die das Gefängnis ohne Fähigkeiten und Job verlassen, um 50 Prozent gefährdeter sind, wieder eine Straftat zu begehen. Und wir wissen definitiv, dass es außergewöhnliche Fähigkeiten braucht, um Spezialitätenkaffee zu rösten.“ So trifft es sich gut, dass einige der Knast-Baristas direkt nach ihrer Entlassung in einem der drei Londoner Cafés von „Redemption Roasters“ anfangen können, oder vom Unternehmen an andere Cafés vermittelt werden. Das Kaffeerösten ermöglicht den jungen Männern eine zweite Chance auf ein selbstständiges Leben in Freiheit.

Weitere Infos: https://www.redemptionroasters.com/

Foto: @redemptionroasters/Instagram