Das kleine Kaffee-ABC – Teil 1


Das kleine Kaffee-ABC – Teil 1

Von A wie Arabica bis Z wie Zubereitung – in diesem Kaffee-Alphabet nähern wir uns Buchstabe für Buchstabe dem beliebtesten Getränk der Deutschen. Teil eins reicht von A bis L. Morgen gibt es Teil zwei, M bis Z.

162 Liter: So viel Kaffee trinkt der deutsche Durchschnittsbürger im Jahr. Damit ist Kaffee – noch vor Mineralwasser – das am meisten konsumierte Getränk überhaupt. Dabei ist Kaffee nicht gleich Kaffee – der Rohstoff wird auf vielfältigste Weise verarbeitet und konsumiert, von der billigen Industrieröstung bis zum handgemachten Spezialitätenkaffee. Zum internationalen „Tag des Kaffees“ am 1. Oktober widmen wir der braunen Bohne ein kleines Kaffee-ABC.

A wie Arabica

Am Anfang war die Arabica-Bohne. Sie wurde wohl schon im 7. Jahrhundert in Äthiopien entdeckt und ist der Legende nach die älteste Kaffeebohne der Welt. Ein Hirte soll im damaligen Königreich Kaffa die aufputschende Wirkung des grünen coffea-Strauchs beobachtet haben, nachdem seine Ziegen von Unruhe und Schlaflosigkeit geplagt wurden, weil sie dessen Blätter fraßen. Die Arabica-Bohne ist neben der Robusta die bekannteste und wirtschaftlich bedeutendste Sorte und wird vor allem in Südamerika angebaut. Sie macht rund 70 Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion aus.

B wie Bohne

Kaffeebohnen, wie man sie aus der Werbung kennt, sind glänzend braun und warten nur darauf gemahlen, gebrüht und verzehrt zu werden. Viele Kaffeetrinker wissen aber gar nicht, woher diese braunen Bohnen überhaupt stammen oder dass sie ursprünglich Kirschkerne und vor ihrer Röstung grün sind. Die Kaffeefrucht wächst an grünen Sträuchern und fühlt sich in milden bis warmen Hochland-Gebieten am wohlsten. Reif ist die Kirsche, wenn sie sich dunkelrot verfärbt und einen Durchmesser von etwa 1,5 Zentimeter erreicht. Dann wird die Frucht gepflückt, vom Fruchtfleisch befreit und die zwei Fruchtkerne gewaschen oder sonnengetrocknet. Die grünen „Bohnen“ werden dann in großen Baumwollsäcken in die ganze Welt verschifft. Ihre braune Farbe erhalten sie erst bei der Röstung (siehe R).

C wie Cappuccino

Der Cappuccino ist der Dauerbrenner unter den angesagten Kaffeezubereitungen. Das Getränk auf Espresso-Basis ist wohl vor allem wegen seiner feinen Milchhaube und seines süßen Geschmacks so beliebt. Interessanter Fakt: Erfunden haben den Cappuccino nicht die Italiener, sondern die Österreicher, die ihren Mokka-Kaffee in den Kaffeehäusern mit Sahnehäubchen servierten. Dieses hellbraune Häubchen erinnerte an die Ordenstracht der Kapuziner-Mönche, weshalb der Kaffee in Wien auch als „Kapuziner“ serviert wurde. Die Italiener verfeinerten später durch die Erfindung der Espressomaschine das Getränk und schufen so den „Cappuccino“. (Mehr in unserem Blog: http://district-five.de/cappuccino/)

D wie Deutschland

Die Deutschen lieben ihren Kaffee, vor allem den traditionellen Filterkaffee (siehe F). Laut dem Kaffeereport 2017, einer repräsentativen Studie zum Kaffeemarkt von Tchibo und brand eins, trinken 57,1 Prozent der Deutschen mehrmals am Tag Kaffee. Pro Kopf macht das einen Verbrauch von 7,2 Kilogramm Rohbohnen im Jahr. Damit liegt Deutschland weit über dem EU-Durchschnitt von 5 Kilo, aber noch immer nicht an der Spitze. Denn da liegen (Stand 2015) drei skandinavische Länder uneinholbar weit vorne. Noch vor Schweden (8,8 kg) und Norwegen (10,1 kg) ist Finnland der Staat mit dem höchsten Kaffeekonsum Europas. Im Schnitt verzehrt jeder Finne 12,2 Kilogramm Rohbohnen im Jahr. Eine stolze Leistung!

E wie Espresso

Espresso und Kaffee sind zwei unterschiedliche Getränke, die aus einer Rohbohne hervorgehen. Der Espresso unterscheidet sich in Röstung und Zubereitung vom klassischen Kaffee. Die Bohnen werden deutlich länger geröstet und werden dadurch auch dunkler als Filterkaffeebohnen. Auch die Zubereitung läuft anders: Espressobohnen werden feiner gemahlen, um bei dem kurzen Brühen mit Druck möglichst viele Aromastoffe aus dem Kaffeemehl zu lösen. (Mehr in unserem Blog: http://district-five.de/espresso/)

F wie Filterkaffee

65,7 Prozent der deutschen Kaffeekonsumenten trinken laut dem Kaffeereport 2017 regelmäßig Filterkaffee. Damit ist der traditionelle Kaffee die Nummer eins in Deutschland – noch vor dem Cappuccino (41,8 Prozent). Die Zubereitungsformen sind dabei natürlich vielfältig, von der Filtermaschine über den Handfilter (siehe H) bis hin zur AeroPress.

G wie Genuss

Kaffee ist heute kein Luxusprodukt mehr wie im 19. Jahrhundert. Es ist ein Masseprodukt, das durch industrielle Herstellung für jeden Menschen erschwinglich geworden ist. Das ist zunächst positiv, niemand muss aus Geldmangel auf Kaffee verzichten. Doch 162 Liter, die jeder Deutsche jährlich im Durchschnitt trinkt, sprechen eine andere Sprache: Kaffee ist kein Genussmittel mehr, sondern ein Massenprodukt, das viel von seinem besonderen und exotischen Charakter verloren hat. Er wird morgens beim Frühstück, vormittags zur Kaffee-Pause, nachmittags im Café und abends im Restaurant getrunken. Der Genuss bleibt bei dieser Routine meist auf der Strecke. Spezialitätenkaffee-Hersteller wie „District Five“ wollen diesem Trend Qualität entgegensetzen und versprechen: Klasse statt Masse.

H wie Handfilter

Eines der bekanntesten Produkte der modernen Kaffeewelt stammt vom japanischen Hersteller Hario: der v60-Handfilter. Der Porzellan-Trichter ist nicht nur ein tolles Design-Stück, sondern dient vor allem der einfachen und hochwertigen Filterkaffee-Zubereitung. Für den perfekten und handgemachten Filterkaffee-Genuss benötigt man nicht viel mehr als frisch gemahlenen Kaffee, einen Handfilter, Filterpapier, heißes Wasser und drei bis vier Minuten Geduld. (Mehr in unserem Blog: http://district-five.de/handfilter/)

I wie Italien

Wir haben uns in diesem Blog schon öfter an unseren südlichen Freunden und an deren vermeintlicher Kaffeekultur abgearbeitet. Ja, die Italiener mögen ihre dunklen, halb verbrannten Kaffeeröstungen, die mit dem wahren Aroma von Kaffee ungefähr so viel zu tun haben wie McDonald’s mit gehobener Küche. An dieser Stelle wollen wir sie aber mal loben: Kaum ein Land hat bei den Deutschen stärker das Bewusstsein für Kaffee geweckt wie das Sehnsuchts-Land im Süden. Jetzt übernehmen wir Spezialitätenkaffee-Röster und wollen der allgemeinen Leidenschaft für Kaffee, eine Leidenschaft für guten Kaffee folgen lassen. Mille Grazie!

J wie JAB

Das Geschäft mit Kaffee boomt. Nestlé und Starbucks sind die zwei größten unter vielen internationalen Konzernen, die am Kaffeemarkt Unmengen an Geld umsetzen. JAB, eine Finanzholding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann, ist der drittgrößte Kaffeekonzern der Welt. Zu dem Imperium gehören Marken wie Calgon, Finish, Clerasil – und seit wenigen Jahren auch Jacobs, Senseo oder Tassimo. Laut „Spiegel“ stammt jede fünfte Bohne am Weltmarkt aus dem JAB-Imperium. Die dominante Stellung der Großkonzerne bringt einerseits kleine, regionale Anbieter in Bedrängnis, öffnet andererseits aber durch Massenprodukte und Einheitsgeschmack die Nische für Alternativen wie Spezialitätenkaffee.

K wie Kapsel

„Nespresso. What else?“, säuselt Hollywood-Star George Clooney in die Kamera, wenn er für viele Millionen Dollar Werbung für den Kapsel-Hersteller aus dem Nestlé-Universum macht. Nespresso vermarktet seine Kaffee-Döschen als Luxusprodukt – wer die feinen Alu-Kapseln kauft, beweist Geschmack und nebenher auch noch einen Sinn für das Teure. Denn eine Nespresso-Kapsel kostet zwischen 30 und 40 Cent, hochgerechnet sind das bis zu 80 Euro pro Kilo, weil ein Döschen nur 5,2 Gramm Kaffee enthält. Einer der Nespresso-Pioniere vergleicht im „Spiegel“ die Inszenierung des Kapselkaffees mit dem Marketing des Technikgiganten Apple: „Wir waren eine Art iPhone des Kaffees“, sagt Jean-Paul Gaillard, der 1988 bei Nespresso anfing, sich jedoch gegen das Unternehmen gewandt hat und seinen ehemaligen Arbeitgeber heute als unethisch beschimpft.

L wie Latte Art

Es ist der Zauber, der einen guten Barista zu einem hervorragenden Barista macht. Die Kunst, mit feinen kurvenden Bewegungen eine Blume, ein Herz oder sogar ein Tier in den Milchschaum eines Cappuccino oder Flat White zu zaubern. Dabei kommt es nicht nur auf ein geschicktes Händchen an, sondern auch auf die richtige Milch.

 

Teil zwei unseres kleinen Kaffee-ABCs erscheint morgen.

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