Abreibung fürs Gesicht


Abreibung fürs Gesicht

Aarhus-Serie (IV) Ein kleines Unternehmen aus Aarhus macht aus gebrauchtem Kaffeesatz Kosmetikprodukte. Was hinter der Idee steckt

 

In den vergangenen zwei Wochen ist etwas geschehen in Aarhus. Ein Glanz hat sich über die Stadt gelegt, der einen fast den grauen Himmel und die kalten Temperaturen vergessen lässt. Überall leuchtet es, das traditionsreiche Kaufhaus Salling strahlt dank einer LED-Fassade wie ein in Goldpapier eingepacktes Geschenk (inklusiver roter Schleife). Über der Strøget, Aarhus‘ weitläufiger Einkaufsmeile, schweben breite Lichterketten, die ihren Schein auf die Fußgänger werfen und selbst die frühe Dunkelheit erhellen. In ganz Aarhus gibt es mindestens ein Dutzend Weihnachtsmärkte. Kurz: Aarhus ist längst in Weihnachtsstimmung.

Fotos: Bettina Leuthner

Auf einem dieser Weihnachtsmärkte habe ich gestern Rasmus Nørgård (mittig im Bild) getroffen. Er hatte einen Verkaufsstand im ehemaligen Reitstall, einen Steinwurf vom Aros-Kunstmuseum entfernt. Seine Firma „grums“ stellt Kosmetik her – Peeling für Körper, Gesicht und Hände. Das Spannende daran: Das Peeling besteht aus altem Kaffeesatz. Rasmus und seine zwei Partner fahren mit ihrem Cargobike kreuz und quer durch Aarhus und sammeln bei Cafés, Restaurants und Hotels gebrauchten Kaffeesatz ein – Espresso- und Filtersatz. Den Kaffee verarbeiten sie dann hauptsächlich mit natürlichen und veganen Inhaltsstoffen weiter zu Kosmetik.

Feinkörnige Espresso-Peelings und grobe Filterkaffee-Pflege

Aus dem feinkörnigen Espressosatz stellen sie Oberflächenpeelings und -masken für das Gesicht her. Den gröberen Filterkaffee-Satz verwenden sie für Hand- und Körperpeelings, die eine tiefergehende Anwendung versprechen.

Die Idee, so Rasmus, entstand aus der Tatsache heraus, dass Kaffee nach einmaligem Brühen weniger als ein Prozent seiner Inhaltsstoffe verliert. Also bleiben über 99 Prozent der Nährstoffe im Kaffeesatz enthalten. Viel zu schade, um ihn wegzuschmeißen, dachten sich die Jungs von „grums“ und gründeten 2016 ihr Start-up in Aarhus.

Warum gerade Kaffee?

Tatsächlich eignet sich Kaffeesatz für eine Menge kreativer Anschlussverwendung nach der Zubereitung: zum Beispiel als Dünger oder Insektenschutz (ein paar Ideen haben wir bereits in unserem Blog zusammengefasst: https://district-five.de/kaffeesatz/). Die im Kaffee enthaltenen Antioxidantien haben eine erfrischende und schützende Wirkung für die Haut und reinigen sie von toten Zellen. Zudem fördern im Kaffee enthaltene Säuren die körpereigene Produktion von Kollagen, ein stabilisierendes Protein.

Kaffeekosmetik gibt es natürlich auch bei großen Herstellern, erklärt Rasmus. Der Unterschied sei jedoch, dass die eher nicht auf ihren Rädern von Café zu Café tingeln, um deren Kaffeeabfälle zu recyceln. Für sein Unternehmen sei Nachhaltigkeit und Ökologie ein wichtiger Faktor. Die Körper- und Handpflege sind zum Beispiel 100 Prozent vegan.

Wer also ist die Zielgruppe für seine Produkte, frage ich Rasmus. Er lacht kurz. „Eigentlich sind unsere Produkte Unisex“, sagt er und macht eine kurze Pause. „Zu 95 Prozent kaufen aber natürlich Frauen unsere Kosmetik.“

 

Weitere Infos: https://grumsaarhus.com/

Foto: grums