Das kleine Einmaleins der dänischen Kaffeekultur


Das kleine Einmaleins der dänischen Kaffeekultur

Foto: Annie McCann

Aarhus-Serie (III) Sie lieben ihre „Stempelkande“ und trinken den Kaffee am liebsten schwarz. Was man über die Dänen und ihre Kaffeetraditionen wissen muss

Seit über drei Monaten studiere ich nun in Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks. In dieser Zeit habe ich schon manches über unsere Nachbarn im Norden gelernt. Zum Beispiel, dass die Dänen sehr hilfsbereit sind, sehr oft sehr gut angezogen, überallhin mit dem Fahrrad fahren und nicht so viel von Bürokratie halten wie wir in Deutschland – und, dass sie eine eigene feine Kaffeekultur leben, von denen wir in Deutschland lernen könnten.

Guter Kaffee und schickes Design: Die Dänen lieben ihre „Stempelkande“

Das fängt schon damit an, dass die „Stempelkande“ oder French Press hier zur Grundausstattung jeder Küche gehört. Auf die Glaskanne mit integriertem Stempelfilter kann kaum ein Kaffeeliebhaber hierzulande verzichten. Denn mit der French Press lässt sich der aromatischste und vollmundigste Filterkaffee zubereiten. Außerdem lieben die Dänen gutes Design und das bekannteste French Press-Modell stammt von Bodum – einem dänischen Unternehmen.

Was einen deutschen Kaffeeliebhaber wie mich hier am meisten überrascht, ist die hohe Dichte an wirklich guten Cafés. Allein in Aarhus (etwa zweimal so groß wie Ingolstadt) gibt es mindestens ein Dutzend Cafés mit hochwertigem Kaffee und Mitarbeitern, für die Begriffe wie AeroPress oder Flat White keine Fremdwörter sind. Guter Kaffee ist hier keine Ausnahme.

Nach einiger Zeit in Dänemark, fällt auf, dass die Kaffeeszene hierzulande geschafft hat, woran Spezialitätenkaffee-Röster in Deutschland noch hart arbeiten: Sie haben die Milch- und Zuckerkännchen von den Café-Tischen verbannt. Wenn Kaffee gut geröstet ist und die Bohne ihre Fruchtsäuren und natürlichen Aromen entfaltet, verfälschen Milch und Zucker meist nur den ursprünglichen Kaffeegeschmack. Milch und Zucker sind Symbole für industriell geröstete Bohnen, die bitter schmecken und deshalb gesüßt werden müssen. Die Dänen trinken ihren Kaffee schwarz und ohne Zucker. Nicht selten erntet man sogar krumme Blicke, wenn man trotzdem nach Milch oder Zucker fragt.

Das soll nicht bedeuten, dass es nicht auch in Dänemark No-go-Areas für Kaffeeliebhaber gibt. Zum Beispiel meine Uni-Kantine. Hier hat man die Wahl zwischen einem Cappuccino aus dem Automaten oder einem Filterkaffee, dessen Geschmack nicht identifizierbar ist. Davon lässt man also lieber die Finger.

Zum Kaffee gibt es eine „Kanelsnegle“ oder ein Stück Dagmar-Torte

Extrem schwer fällt es hingegen, die Finger von „Danish pastry“ zu lassen, dänischem Süßgebäck. Das gibt es in allen Formen und Variationen: Croissants, Zimtschnecken („Kanelsnegle“), Zimtstangen („Kanelstang“) oder die cremig-knusprige Dagmar-Torte. Das süße Gebäck ist die perfekte Begleitung zu einem guten Kaffee – unglücklicherweise begleitet die Süßspeise einen später auch beim Gang auf die Waage.

Im Vergleich zu den Deutschen geben die Dänen deutlich mehr Geld für Kaffee aus. Der Pro-Kopf-Umsatz für Kaffee liegt in Dänemark bei 80 Euro im Jahr. Damit geben die Dänen 20 Euro mehr aus als die Deutschen, deren Pro-Kopf-Konsum bei 60 Euro liegt. Im Durchschnitt verbrauchen unsere Nachbarn auch mehr Kaffee als wir. Statistisch gesehen konsumiert ein Däne 6,7 Kilogramm und ein Deutscher 5,5 Kilogramm Kaffee im Jahr.