Warum „Tchibo“ den Kaffeepreis erhöht


Warum „Tchibo“ den Kaffeepreis erhöht

30 bis 50 Cent mehr müssen Kunden ab sofort für eine 500-Gramm-Packung Kaffee bezahlen. Der Marktführer aus Hamburg wird nicht das einzige Unternehmen bleiben, das an der Preisschraube dreht

Der größte deutsche Kaffeeröster „Tchibo“ erhöht dieser Tage die Preise für Kaffee. Schon vor dem Jahreswechsel hatte das Unternehmen mit Sitz in Hamburg verkündet, 2017 die Kosten anzuheben. „Tchibo“ begründet den Schritt mit höheren Einkaufspreisen für Rohkaffee und der Schwäche des Euro am Finanzmarkt.

Kunden können sich laut der Zeitung „Welt“ darauf einstellen, 30 bis 50 Cent mehr pro 500-Gramm-Packung zu zahlen. So rechnet die Zeitung vor: „Die meistverkaufte Sorte ,Feine Milde‘ werde dann zum Beispiel 5,99 Euro je 500-Gramm-Packung kosten statt wie bisher 5,69 Euro. Der Preis steigt damit um fünf Prozent.“

Tatsächlich ist der Preis für Rohkaffee seit dem Frühjahr 2016 angestiegen. Lag der Kurs vor dem Preisanstieg zwischen 1,10 und 1,20 Dollar pro Pfund, so mussten die Kaffeekonzerne zwischenzeitlich 1,70 Dollar zahlen. Zuletzt hat sich der Pfundpreis bei 1,40 Dollar eingependelt. Da Rohkaffee am Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, macht sich auch die Schwäche des Euro bei den Kosten bemerkbar.

Bald könnten andere Unternehmen nachziehen

Der Schritt von „Tchibo“ hat Signalfunktion für die gesamte deutsche Kaffee-Industrie. Mit dem Hamburger Kaffeeröster hat der bundesweite Marktführer als erstes Unternehmen an der Preisschraube gedreht, weitere Anbieter werden wohl folgen. „Tchibo“ verspricht, die Kaffeepreise wieder anzupassen, sobald der Weltmarkt das möglich macht.

Diese Entwicklung zeigt, wie knapp die deutsche Kaffee-Industrie ihre Kosten berechnet und sich damit stark von Schwankungen am Welt- und Finanzmarkt abhängig macht. Die Niedrigpreis-Strategie von „Tchibo“ und Co. müssen zu aller erst die Kaffeebauern in den Anbaugebieten ausbaden. Sie stehen unter hohem Preisdruck und sehen von dem Gewinn, den die Konzerne einfahren, kaum etwas.

Warum „District Five“ vom Weltmarkt unabhängig ist

Kleine Spezialitätenkaffee-Röstereien wie „District Five“ haben sich längst vom allgemeinen Kaffeemarkt losgelöst und zahlen ihren Anbietern bis zu 300 Prozent vom üblichen Weltmarktpreis. Damit sind die Kleinunternehmer auch von Preisschwankungen und instabilen Währungen unabhängig.

Der immense Preiskampf der Kaffee-Industrie wirkt sich auch negativ auf die Qualität des Produkts aus. Schon im letzten Jahr haben wir uns hier im Blog mit der mangelhaften Qualität vieler bekannter Röstereien beschäftigt (http://district-five.de/so-dreist-tricksen-industrielle-roester/). Dazu haben wir uns auch mit dem Phänomen „Fair Trade“ beschäftigt und erklärt, warum ein „Fair Trade“-Siegel alleine noch lange nicht reicht (http://district-five.de/direct-trade/).


Hier gehts zur Meldung: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/tchibo-erhoeht-die-kaffeepreise-a-1127628.html