Arabica vs. Robusta: Das unterscheidet die Kaffeesorten


Arabica vs. Robusta: Das unterscheidet die Kaffeesorten

Viele Verbraucher greifen intuitiv zu Kaffee, der mit „100 % Arabica“ beworben wird. Robusta-Kaffee besitzt bei uns einen schlechten Ruf – zu Recht?

Kaum eine Kaffeepackung im Supermarkt kommt ohne ihn aus: den Hinweis „100 % Arabica“. Hersteller wie Tchibo, Melitta und Jacobs werben offensiv mit der Wahl ihrer Kaffeebohne und transportieren damit eine weitgehende Annahme: Arabica ist besser als Robusta. Oder habt ihr schonmal eine Kaffeepackung gesehen mit dem dicken Hinweis „100 % Robusta“? Ich nicht.

Arabica vs. Robusta. Sie sind zwei von rund 60 bekannten Coffea-Sorten. Zusammen machen sie 99 Prozent des weltweiten Kaffeehandels aus. Doch vor allem der Robusta-Kaffee hat mit einem schlechten Image zu kämpfen. Er gilt als minderwertiger als die Bohnen der Coffea Arabica. Warum?

Tatsächlich gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Sorten: Beim Anbau, im Geschmack, Koffeingehalt und sogar beim Preis.

Geschichte

Die Arabica-Pflanze ist den Menschen bereits seit dem 7. Jahrhundert bekannt. Sie soll zufällig in Äthiopien gefunden worden sein (Mehr: http://district-five.de/kaffeegeschichte/). Sie ist damit viel älter als die Robusta, die 1889 im Kongo entdeckt wurde.

Aussehen

Betrachtet man die beiden Sorten als Angehörige der Kaffeefamilie, dann sind Arabica und Robusta Brüder, die sich kaum ähneln und auch sonst wenig gemeinsam haben. Arabcia Bohnen sind oval und haben einen geschwungenen, schmalen Schnitt in der Mitte. Robusta Bohnen sind deutlich kleiner, runder und zeichnen sich durch einen geraden, breiten Cut aus. Weil Arabica-Bohnen eher eben und Robusta-Bohnen eher förmig sind, spricht man auch von Flach- bzw. Rundbohnen. Auch die Coffea-Pflanzen sehen unterschiedlich aus.

Anbau und Handel

Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Sorten: Die Arabica-Pflanze ist viel empfindlicher, was Klima und Lage des Anbaugebietes angeht. Sie gedeiht bei hoher Luftfeuchtigkeit, Hochlagen ab 600 Metern über dem Meeresspiegel und bei Temperaturen zwischen 15° und 25° Celsius. Im Hochland Kolumbiens, Panamas oder Perus zum Beispiel kann die Arabica-Pflanze ihre Früchte geschützt vor heißen Sonnenstrahlen und Trockenheit gut entwickeln. Die Coffea Canephora, von der die Robusta-Bohnen stammen, sind deutlich widerstandsfähiger: Sie wachsen bereits ab 300 Metern und halten Hitze bis zu 36° aus. Außerdem sind die Früchte der Canephora auch resistenter gegen Schädlinge.

Wichtige Produzenten von Robusta-Kaffee sind zum Beispiel Vietnam, Indien und Indonesien. Den Weltmarkt dominiert die Arabica-Produktion mit 70 zu 30 Prozent.

Geschmack

Hier wird’s spannend. Denn dem Kunden ist es egal, woher der Kaffee stammt, auf welcher Höhe er angebaut wird oder wann er entdeckt wurde – solange er schmeckt. Arabica-Kaffee hat einen feineren, ausgeprägt milden Geschmack, was auch daran liegt, dass bei der Röstung mehr Fruchtsäuren zutage treten und er insgesamt mehr Kaffeeöle enthält. Arabica ist weniger bitter. Außerdem hat die Sorte einen niedrigeren Chlorogensäure-Anteil als Robusta – was sie für den Magen verträglicher macht.

Robusta hat einen markanteren, leicht bitteren und holzigen Geschmack. Eine Eigenschaft, die vor allem in Italien geschätzt wird, wo das kräftige Aroma im Espresso häufig Robusta-Bohnen zu verdanken ist – und mit viel Zucker zubereitet wird. Interessant vor allem für Koffeinjunkies: Der Koffeingehalt ist bei Robusta-Kaffee mit einem Anteil von 2 bis 4,5 Prozent etwa doppelt so hoch wie beim Arabica.

Was bedeutet das nun für die Qualität des Kaffees? Ja, die Eigenschaften der Arabica-Bohnen sprechen für sich – vor allem in Hinblick auf die ausgeprägten Fruchtsäuren und Kaffeeöle, die ihn vom Robusta unterscheiden. Trotzdem ist allein der Werbetrick „100 % Arabica“ der großen Hersteller noch kein Qualitätsversprechen. Denn auch Arabica-Bohnen können durch Massenanbau, maschinelle Ernte, die Verarbeitung kranker Bohnen und zu heiße Röstung dieser positiven Eigenschaften beraubt werden.

Natürlich besteht auch unser Spezialitätenkaffee aus „100 Prozent Arabica-Bohnen“. Viel wichtiger, als diesen Hinweis prominent auf unsere Packungen zu drucken, ist uns aber, detailliert zu beschreiben, aus welchem Land, welcher Region, von welcher Farm der Kaffee kommt, auf welcher Höhe er angebaut wurde und wie er verarbeitet wurde.