Rösttrommel 4.0


Rösttrommel 4.0

Kaffeerösten ist zwar ein traditionelles Handwerk – die Spezialitätenkaffee-Hersteller der Third Wave arbeiten aber mit präziser Technologie, um gleichbleibende und hochwertige Röstergebnisse zu erzielen. Zum Beispiel mit der österreichischen Software „Cropster“

Wenn von der Industrie 4.0 die Rede ist, dann meist in Bezug auf Fabriken, in denen Roboter halbwegs autonom arbeiten und Daten über die Cloud austauschen. Vernetzung und digitaler Fortschritt halten aber auch in der Kaffee-Branche Einzug. Vor allem die Anhänger der „Third Wave“-Szene setzen bei der Verarbeitung ihres Spezialitätenkaffees auf vollkommene Präzision. Die Vorstellung, dass der Röster seine lokomotiv-ähnliche Trommelmaschine vor jedem Durchgang wieder neu einstellt, ist nicht nur romantisch, sondern abwegig. Zu sehr würde sich die Qualität jeder einzelnen Ladung von der vorangegangenen unterscheiden.

Den Spezialitätenkaffee-Röstern kommt es darauf an, eine gleichbleibend hohe Qualität der Bohnen zu garantieren. Sie schließen ihre Röstmaschinen an Computer an und steuern die Röstung per Software. Auf den Bildschirmen erscheinen Diagramme, Temperaturkurven und zahlreiche Daten. Die Produktion läuft nicht nur effizienter, sondern verspricht vor allem ein hohen Ansprüchen gerecht werdendes Ergebnis.

Auch beim Kaffeerösten geht es heute um Daten: Temperaturen, Druck, Röstdauer

„Cropster“ ist eines dieser Röst-Programme. Das österreichische Start-up hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe Kaffeeröster ihre Produktion bis in jedes Detail justieren können. „Cropster“ visualisiert wichtige Daten des Röstvorgangs, wie zum Beispiel Röstdauer, Temperatur, Gas, Umdrehungen und Druck der Trommel und fasst die Daten in einer Kurve, der Rate-of-Rise, zusammen. An dieser Kurve kann der Röster ablesen, wie schnell die Temperatur in den Bohnen selbst steigt – ein wichtiger Indikator für die Qualität des Kaffees. Außerdem zeigt das Programm an, wann der sogenannte „First Crack“, also der Beginn der Bräunung, stattfindet und wie viel Zeit von da an bis zum Ende der Röstung vergeht, auch als development time bezeichnet.

Ideale Röstprofile für jede Sorte

Mit dieser präzisen Optimierung können die Röster für ihre Rohbohnen die idealen Röstmuster erstellen. Für jede Sorte legen sie ein eigenes Röstprofil an, das aus vielen Teströstungen und Cuppings hervorgegangen ist. Das heißt, wenn Körper, Säure und Balance nach einer bestimmten Rösteinstellung einen überzeugenden Geschmack ergeben, wird diese Einstellung als Profil gespeichert.

Besonders bei „Cropster“ ist, dass das Unternehmen sich bemüht, die Vernetzung zwischen den Röstern voranzutreiben. In einer Datenbank speichert das Start-up Informationen über Lieferanten, Farmen und spezielle Ernten. Das soll helfen, Zusammenhänge in der Röstung verschiedener Kaffeebohnen deutlich zu machen und so die Veredelung weiter zu optimieren.

„Manche Leute werfen uns vor, dass wir dem Rösten ein wenig die Magie, den Zauber genommen haben“, sagt der Gründer

„Zeit Online“ hat den Gründer des Softwareentwicklers, Andreas Idl, getroffen und dessen Ideen erläutert. Idl sagt in dem Bericht: „Manche Leute werfen uns vor, dass wir dem Rösten ein wenig die Magie, den Zauber genommen haben. Ich denke aber, wir haben den Spezialröstern eine gemeinsame Sprache gegeben und geholfen, dass sie besser verstehen, was passiert.“ Von der Software, die je nach Ausführung zwischen 79 und 389 Euro im Monat kostet, sollen vor allem Spezialitätenkaffee-Röstereien, aber neuerdings auch Kakaoröster und andere Hersteller profitieren. Idl scheint den Kaffeeröstern in Zeiten der Digitalisierung die richtige Antwort gegeben zu haben, wie „Zeit Online“ berichtet, hat „Cropster“ in den vergangenen eineinhalb Jahren die Zahl seiner Mitarbeiter verdoppelt.

Auch „District Five“ plant, auf die Software aus Österreich umzusteigen.