Die Coffee-to-go-Steuer


Die Coffee-to-go-Steuer

Zum Mitnehmen? Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine Abgabe von 20 Cent auf Einwegbecher. Warum das gar keine schlechte Idee ist, lest ihr in unserem neuen Blogbeitrag.

Den heutigen Blog-Beitrag wollen wir mit einer Frage beginnen: Stellt euch vor, ihr sammelt ein Jahr lang alle Coffee-to-go-Becher, die in Deutschland weggeworfen werden, und stapelt sie übereinander. Wie hoch wird euer Turm? Die Antwort findet ihr am Ende des Textes. So viel sei verraten: Ihr müsstet verdammt lange klettern, um den Gipfel dieses babylonischen Papp-Turms zu erreichen. Denn: Bundesweit werden im Jahr 2,8 Milliarden (in Zahlen: 2.800.000.000) Coffee-to-go-Becher verbraucht.

Zwei Komma acht M i l l i a r d e n!

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) macht das pro Stunde 320.000 Stück! Jeder von uns verschleißt im Schnitt 34 Einwegbecher im Jahr. Man muss sich nur mal diesen gigantischen Müllberg vorstellen, der pro Tag um 7,8 Millionen Pappbecher wächst. Laut DUH entstehen so pro Jahr 40.000 Tonnen Abfall – das entspricht in etwa dem Leergewicht der Titanic.

Durchatmen!

Wie konnte es so weit kommen? Die Popularität des Mitnehm-Kaffees ist ein schönes Beispiel für unsere auf Effizienz getrimmte Gesellschaft. An jeder Straßenecke gibt es ein Café, einen Imbiss oder einen Bäcker, bei dem man sich Kaffee schnell und günstig besorgen kann. Man verschwendet keine Zeit damit, den Kaffee zuhause selber aufzubrühen oder sich gemütlich in einem Lokal einen Cappuccino zu gönnen. Lieber holt man sich seinen Koffein-Schub auf dem Weg ins Büro oder in der kurzen Mittagspause.

Dann kommt einem das Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ in den Sinn

Manchmal muss man unweigerlich an das Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ denken. „Keine Zeit! Keine Zeit!“ Statt seiner Taschenuhr hat der hoppelnde Hetzer ein iPhone und einen Starbucks-Becher in den Händen. Passt oder?

Schaut euch doch mal um, wenn ihr morgens durch die Fußgängerzone lauft. Die Menschen haben schon kurz nach dem Aufstehen alle Hände voll zu tun: In der Rechten das Smartphone (ganz wichtige Mails), links der Pappbecher – wie sollte man sonst den langen Arbeitstag überstehen?

15 Minuten später ist der Kaffee getrunken und der Becher im Müll

Nach durchschnittlich 15 Minuten landet der Inhalt im Bauch und die Pappe im Müll. Selbst Plastiktüten haben eine längere Lebensdauer. Hinzu kommt, dass die Mitnehm-Becher so gut wie keine recycelten Stoffe enthalten. Recyclingpapier ist oft mit mineralölhaltigen Substanzen und Druckchemikalien belastet und eignet sich deshalb nur selten als Verpackungsmaterial für Lebensmittel. Die Deutsche Umwelthilfe schreibt auf ihrer Homepage: „Für die Herstellung neuer Besucher werden in der Regel neue Bäume gefällt.“

Coffee to go: Ist das nun Genuss, Lifestyle – oder gar Selbstzweck? Stellt euch diese Frage einmal ganz bewusst. Und: Kann man bei oben genannten Zahlen tatsächlich guten Gewissens konsumieren? Für die Herstellung der aus Papierfasern produzierten Behälter werden laut DUH jährlich 43.000 Bäume gefällt – 64.000 Tonnen Holz gehen dabei drauf. Und der Markt für die Take-away-Produkte wächst mit immer neuen Variationen weiter.

Es sind erschreckende Zahlen und doch werden jetzt viele mit den Schultern zucken. Gibt es in diesem Land denn keine anderen Probleme?

Es ist langweilig, die deutsche Wegwerfgesellschaft anzuprangern. Niemand lässt sich gerne belehren. Manch einer wird, nachdem er diesen Text gelesen hat, mit diabolischer Freude seinen nächsten Mitnehm-Kaffee schlürfen. Als ob einer mehr oder weniger die Welt verändert. Pah!

Kann, ja will man überhaupt etwas an seinem Konsum ändern?

Andere werden zumindest darüber nachdenken, wie oft sie selber zum Pappbecher greifen. Gibt es vielleicht Alternativen? Natürlich! Wer nicht zehn Minuten früher aufstehen will, um zuhause einen Kaffee zu trinken, hat eine simple Möglichkeit: Mehrwegbecher. Die Behälter aus Kunststoff oder Edelstahl sind günstig zu haben und können immer wieder verwendet werden. Klar, nicht in jedem Café kann man seinen eigenen Becher befüllen lassen, aber viele Gastronomen bieten ihren Kunden diesen Service gerne an – man muss nur fragen.

Am Beispiel der Plastiktüte hat die Politik – nach zähem Ringen mit dem deutschen Handelsverband – deutlich gemacht, wie eine Trendumkehr funktionieren könnte: Seit einigen Wochen gilt ein Gesetz, das Händlern vorschreibt, Geld für ihre Plastiktüten zu verlangen – so soll die unüberlegte Verschwendung von Kunststofftaschen eingedämmt werden. Die Entscheidung trägt bereits erste Früchte: So hat die Supermarkt-Kette Rewe freiwillig den Verkauf von Plastiktüten in Deutschland komplett gestoppt. 140 Millionen Taschen weniger sollen so pro Jahr im Müll landen.

Ähnliche Überlegungen gibt es auch schon zur Causa Coffee to go. Die Deutsche Umwelthilfe fordert seit längerem eine Abgabe von 20 Cent pro Einwegbecher. Die zusätzliche Verbrauchersteuer, so die Überlegung, könnte viele Kunden vom Kauf der Pappbehälter abschrecken und den Weg für die Nutzung von Mehrwegbechern freimachen.

Und ganz allmählich würde auch der 300.000 Kilometer hohe Becher-Turm schrumpfen.


Facts & Infos – alle Daten zum Nachlesen
Das Infomaterial der Deutschen Umwelthilfe
Süddeutsche.de über das Plastiktüten-Gesetz
Verkaufsstopp von Plastiktüten: Spiegel Online über das Rewe-Vorhaben