Kapselkaffee: Jedes Tässchen ein Döschen


Kapselkaffee: Jedes Tässchen ein Döschen

8.000 Tonnen Müll sind laut der Deutschen Umwelthilfe im vergangenen Jahr durch Kaffeekapseln angefallen. Umweltschützer fordern zum Umdenken auf

Die spanische Urlaubsinsel Mallorca galt bislang nicht als große Spielverderberin. Millionen Deutsche verbringen dort Jahr für Jahr ihren Sommerurlaub. Aber jetzt zieht Mallorca die Reißleine – beim Kaffee. Die Inselregierung hat ein neues Abfallgesetz entworfen, das den Verkauf von Kaffeekapseln und allen anderen nicht biologisch abbaubaren Einwegprodukten ab 2020 verbieten soll. Der Grund: Die vier Balearen-Inseln sind mit der Menge an Müll – es sind 500.000 Tonnen Abfall im Jahr – überfordert. Die einzige Müllverbrennungsanlage Mallorcas kommt mit der Verarbeitung nicht mehr hinterher. Neben Kaffeekapseln sollen auch Plastiktüten, Einwegrasierer oder Plastikgeschirr verboten werden.

8.000 Tonnen Müll pro Jahr

Nicht nur im sonnigen Süden sind die Kaffeedöschen aus Aluminium oder Kunststoff ein Problem. Auch in Deutschland verursachen sie große Mengen an Abfall. Jedes Tässchen ein Döschen. Allein 2016 sollen nach Zahlen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 8.000 Tonnen Müll durch Nespresso & Co. zustande gekommen sein. Die DUH schätzt, dass hierzulande mehr als drei Milliarden Kaffeekapseln pro Jahr verbraucht werden.

Obwohl Hersteller wie Nespresso darauf hinweisen, dass ihre Aluminium-Verpackungen recyclebar sind, entsorgen Verbraucher die Kapseln häufig im Restmüll. Und falls sie doch im gelben Sack zur Wiederverwertung gelangen, heißt das noch lange nicht, dass sie dann auch recycelt werden: denn Kaffeereste in der Verpackung verunreinigen oft den Stoff. Nur saubere Alu-Döschen können wiederverwertet werden.

Sechs Gramm Kaffee, fünf Gramm Müll

Und selbst, wenn die Mini-Verpackungen recycelt werden, heißt das nicht, dass kein neuer Müll für die Herstellung von Kaffeekapseln entsteht. Denn Nespresso verwendet für seine Alukapseln in der Regel Neumaterial. Die Umweltbilanz der Kapseln macht wenig Hoffnung. Die DUH rechnet auf ihrer Homepage vor: „Auf sechs Gramm Kaffee kommen circa drei Gramm Aluminium oder Kunststoff für die Einzel-Verpackung und noch mal zwei Gramm Papier für die Umverpackung. Das macht also auf sechs Gramm Kaffee stolze fünf Gramm Verpackung.“ Die DUH rät dazu, gänzlich auf den Konsum von Kapselkaffee zu verzichten.

Pfand auf Kapseln?

Eine andere Initiative, das „Clean Coffee Project“, schlägt vor, ein europäisches Pfandsystem für Kaffeekapseln einzuführen. Die Rohstoffe würden also nicht mehr im Abfall landen, sondern zurück in den Wirtschaftskreislauf gelangen – ähnlich wurde ja auch das Dosen-Problem Anfang der 2000er gelöst. Dazu haben die Initiatoren eine Petition gestartet mit dem Ziel, das europäische Parlament dazu zu bringen, über ein Pfandsystem für die Aluminium- und Kunststoff-Döschen nachzudenken. Bislang haben rund 2.700 Menschen die Petition online unterschrieben (https://www.cleancoffeeproject.org/de/). Ein Pfandsystem wäre eine Alternative zu dem Komplettverbot von Kapseln wie es jetzt auf Mallorca eingeführt werden soll.

Foto: CITYEDV/Pixabay.com