Es war einmal in Kaffa


Es war einmal in Kaffa

Die Geschichte des Kaffees (1): Was hat eine orientalische Viehherde mit unserem heutigen Kaffeekonsum zu tun? Wer war der erste Mensch, der Kaffee getrunken hat? In Teil 1 unserer neuen Blog-Serie über die Geschichte des Kaffees widmen wir uns dessen Entdeckung.

Fragt ihr euch nicht auch ab und zu, wie es dazu kam, dass wir Menschen heute so leben wie wir leben? Wie sähe unsere Welt zum Beispiel aus, wenn unsere Vorfahren nie gelernt hätten, mit Steinen Feuer zu entfachen? Was wäre, wenn der Schotte Alexander Fleming nie durch Zufall Penicillin entdeckt hätte? Oder wie würden wir uns ohne die bahnbrechende Erfindung des Wagenrades fortbewegen?

Die größten Entdeckungen der Weltgeschichte verdanken wir Menschen, die neugierig und abenteuerlustig waren – und manchmal auch ein bisschen Glück hatten. Es sind Pioniere, die den Lauf der Geschichte verändert haben. Mal absichtlich, mal rein zufällig. Um Zufall geht es auch in der Geschichte des Kaffees. Wo liegt der Ursprung für unseren heutigen Kaffeekonsum? Wer kam überhaupt auf die Idee, aus der Kaffeekirsche ein Getränk zu machen?

Eine Legende sagt, dass ein Mönch die belebende Wirkung entdeckt hat

Um die Entdeckung des Kaffees ranken sich viele Legenden. Eine geht so: Der Mönch Naironus Banesius beobachtet im Königreich Kaffa (im heutigen Äthiopien) eine Viehherde, die sich sonderbar verhält. Die Tiere sind besonders lebendig und finden selbst nachts keine Ruhe. Der Mönch will herausfinden, was in die Tiere gefahren ist und untersucht die Stelle, an der das Vieh grast. Bald entdeckt Naironus Banesius den Grund für die Rastlosigkeit der Herde: Es ist ein Strauch, an dem kirschartige Früchte wachsen – sie sind grün, gelb und rot. Dem Geistlichen ist die Pflanze unbekannt, doch der Kraftschub, den die Beeren dem Vieh verliehen haben, macht ihn neugierig. Also bereitet der Mönch einen Sud aus den fremden Früchten zu – und siehe da: Der Trank entfaltet die erhoffte Wirkung. Naironus Banesius fühlt sich nach dem Genuss des Gebräus kraftvoller und verspürt selbst nachts keine Müdigkeit. So kann sich der Mönch auch in der Nacht seinen Gebeten hingeben.

Glaubt man dieser Legende, war also der Mönch Naironus Banesius der erste Mensch überhaupt, der Kaffee (in einer Urform) zu sich genommen hat. Wann genau sich dieses Ereignis zugetragen hat, kann man nicht sagen. Das Königreich Kaffa jedenfalls wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts gegründet. Ob die belebende Wirkung von der Kaffeefrucht schon davor entdeckt wurde, ist umstritten.

Zunächst gilt die Kaffeepflanze als Heilmittel

Schriftliche Beweise für die Existenz der Pflanze gibt es erst ein halbes Jahrhundert später. Daraus geht hervor, dass in Arabien Kaffee getrunken wird – zunächst wohl als Heilmittel. In den folgenden Jahrzehnten verbreitet sich der Trank mit der lebendigen Wirkung immer weiter. Aus den muslimischen Pilgerstätten Mekka und Medina tritt der Kaffee seinen Siegeszug im Orient an.

Erst im späten 16. Jahrhundert finden die Bohnen allmählich ihren Weg nach Europa. Nach seiner Rückkehr aus Aleppo dokumentiert der Augsburger Mediziner Leonhart Rauwolf die Wirkung und das Aussehen des sonderbaren Getränks, das schwarz sei „wie Tinte“. Ein reger Handel mit den Kaffeebohnen zwischen Europa und den arabischen Staaten beginnt im anfangenden 17. Jahrhundert.


Dieser Artikel ist der Start einer neuen Blog-Serie, in der wir detailliert auf die unterschiedlichen Phasen der Kaffee-Geschichte eingehen. Wer hat die Kaffeepflanze entdeckt und wie hat sich das belebende Getränk weltweit ausgebreitet? Welche wirtschaftliche und politische Bedeutung kam dem Rohstoff im Laufe der Jahrhunderte zu und welche Entwicklung hat Kaffee in den vergangenen 50 Jahren genommen? Diese Themen untersuchen wir in loser Reihenfolge in unserer Blog-Reihe „Die Geschichte des Kaffees.“