Die Kaffee-Polizei


Die Kaffee-Polizei

Die Geschichte des Kaffees (3): Um das staatliche Kaffeemonopol zu sichern, greift der Preußenkönig Friedrich der II. Ende des 18. Jahrhunderts zu skurrilen Methoden…

Ein Bild wie aus einer Komödie: Ende des 18. Jahrhunderts wuselten 400 Kriegsversehrte durch die Gassen Berlins – mit der Nase zuckend wie ein kleines Mäuschen. Das Ziel der Männer war, illegale Kaffeeröster aufzuspüren. Die Herren müssen einen guten Riecher gehabt haben, denn allein am Geruch sollten sie erkennen, in welchen Häusern verbotenerweise Schmuggel-Kaffee veredelt wurde. Immer der Nase nach. Preußenkönig Friedrich der II. hatte 1781 die sogenannten „Kaffeeschnüffler“ eingesetzt, um den Kaffee-Schwarzmarkt zu zerschlagen.

Der Staat verlangte so hohe Steuern, dass der Schwarzmarkt florierte

Nachdem der Kaffee auch in Deutschland zum Exportschlager wurde, florierte der Handel mit den exotischen Bohnen. Daran wollte auch der Staat in Preußen mitverdienen und erhob auf den Kaffee sehr hohe Steuern. Zu hoch für die arbeitende Klasse – ein Tageslohn nur für einen Schluck Kaffee? Es brauchte andere Wege, um an das beliebte Heißgetränk zu kommen. Wege, die am staatlichen Aufschlag vorbei führten. Also blühte der Kaffee-Schmuggel auf. Privatpersonen brachten auf verschlungenen Wegen säckeweise Kaffeebohnen zu sich nachhause, um sie dort zu rösten – dabei war das nach einem Erlass von Friedrich dem II. gesetzlich verboten. Nur Röstereien unter öffentlicher Aufsicht durften damals „Kaffeebrennen“. Der Staat beanspruchte das Kaffee-Monopol für sich.

Doch das störte die Schmuggler kaum und wer konnte schon kontrollieren, was im stillen Kämmerchen geschah? Und so verdienten sich viele Arbeiter mit dem verbotenen Rösten eine Menge Geld hinzu. Selbst die königlichen Kaffeeschnüffler konnten daran nichts ändern. Mit der Erlaubnis ausgestattet, in Häuser eindringen und die Personen darin genauestens untersuchen zu dürfen, gingen die Kriegsversehrten also auf Riechtour. Durch ihr rücksichtsloses und rüpelhaftes Verhalten waren die 400 Schnüffler in der Gesellschaft schnell verhasst – nicht selten stürmten sie grund- und ansatzlos fremde Stuben und zogen somit die Wut der Bewohner auf sich. Nicht selten tranken die beschuldigten Menschen in Ruhe eine Tasse Tee, als die ungebetenen Gäste hereinplatzten und die Bewohner des illegalen Kaffeeröstens beschuldigten.

1786 wurden die Schnüffler wieder abgeschafft

Der Preußenkönig machte sich mit seinen Spürnasen lächerlich. Nicht nur, dass die 400 Steuereintreiber selten erfolgreich waren, die Behörde fraß darüber hinaus auch noch die Hälfte der Einnahmen für die Betriebskosten wieder auf. Fünf Jahre lang zogen die ehemaligen Soldaten immer der Nase nach durch das königliche Berlin, bis ein neuer König dem Spuk ein Ende bereitete und das Monopol ein für alle Mal auflöste.


Dieser Artikel ist der dritte Beitrag unserer Blog-Serie, in der wir detailliert auf die unterschiedlichen Phasen der Kaffee-Geschichte eingehen. Wer hat die Kaffeepflanze entdeckt und wie hat sich das belebende Getränk weltweit ausgebreitet? Welche wirtschaftliche und politische Bedeutung kam dem Rohstoff im Laufe der Jahrhunderte zu und welche Entwicklung hat Kaffee in den vergangenen 50 Jahren genommen? Diese Themen untersuchen wir in loser Reihenfolge in unserer Blog-Reihe „Die Geschichte des Kaffees.“

Lest auch Teil 1 zur Entdeckung des Kaffees: http://district-five.de/kaffeegeschichte/
Lest auch Teil 2 zur Verbreitung des Kaffees in der Welt: http://district-five.de/kaffeegeschichte-2/