Diese Bohne ist ein historisches Diebesgut


Diese Bohne ist ein historisches Diebesgut

Die Geschichte des Kaffees (2): Zunächst gelingt es der arabischen Welt, das Geheimnis des Kaffees zu hüten. Das Monopol fällt erst, als es Inder schaffen, im 17. Jahrhundert keimfähige Bohnen zu stehlen. Davon profitieren auch die europäischen Kolonialstaaten.

Die ersten Kaffeeplantagen entstanden Mitte des 15. Jahrhunderts in Jemen – genauer: in der kleinen Hafenstadt Mokka. Der Trunk mit seiner belebenden Wirkung diente gläubigen Muslimen als Alkohol-Ersatz. Über die islamischen Wallfahrtsorte Mekka und Medina brachten die religiösen Reisenden den Kaffee in den Vorderen Orient. Dort wurde das berauschende Getränk zum „Wein des Islam“.

Der Kaffeeanbau ist ein Staatsgeheimnis

Das Geheimnis der Bohne konnten die Araber lange für sich behalten. Sie schufen ein regelrechtes Kaffeemonopol, indem sie ihren Handelspartnern nur rohe Bohnen lieferten, die sie davor mit heißem Wasser übergossen und somit keimunfähig machten. Die gehandelten Bohnen konnten also nicht mehr angebaut werden. Aus dem Anbau machten die Araber nämlich ein großes Geheimnis.

Während der enormen Expansion des Osmanischen Reiches zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert eroberten die Türken auch die großen Kaffeeplantagen. Durch diese Ausdehnung erreicht der Kaffee die entferntesten Regionen des türkischen Großreichs – bis ins südöstliche Europa.

Die Verbreitung des Kaffees ist ein Krimi

Das arabische Kaffeemonopol fällt im Zuge der Kolonialisierung. Heute gehen Experten davon aus, dass es wohl Inder waren, die illegal keimfähige Bohnen in ihre Heimat brachten und dort Pflanzen kultivierten. 1616 waren es dann Niederländer, denen es gelang, diese Kaffeekulturen zu stehlen und in ihren Kolonien auf Sri Lanka und Java zu züchten. Andere europäische Kolonialstaaten kamen auf den Geschmack und begannen, eigene Plantagen zu bauen – der Kaffeeanbau nahm rasant zu.

Die Kolonialisten schickten die begehrten Bohnen in ihre Heimat. Folglich explodierte der Handel mit dem exotischen Getränk. Kaffee wurde zu einem wichtigen Importgut für Europa.

Anfangs ist das fremdartige Gebräu noch den Reichen. Die arbeitende Klasse kann sich das Luxusgut nicht leisten. Erst im Zuge der Industrialisierung, technischer Errungenschaften wie der Dampfmaschine und der daraus folgenden Beschleunigung des Welthandels wurde Kaffee billiger und somit einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht.

Friedrich der Große verbietet sogar das Kaffeetrinken

Die Kaffeehäuser, die zunächst Treffpunkt für Künstler und Kulturinteressierte waren, entwickeln sich zum Forum für alle bürgerlichen Klassen. Bei einer Tasse Kaffee diskutieren die Gäste gemeinsam über Wirtschaft und Politik. Ein Modell, das den Regenten dieser Zeit ein Dorn im Auge ist, da nicht selten auch kritische Worte fallen.

Der Preußenkönig Friedrich der Große erließ 1768 sogar ein Kaffee-Verbot, das den Genuss des belebenden Tranks unter Strafe stellte. In dieser Zeit entwickelte sich sogar eine neue Berufsgruppe: der königliche Kaffee-Schnüffler. Die gut bezahlten Fahnder sollten illegale Kaffeekonsumenten und -röster ausfindig machen.

Auch das konnte den Triumphzug der Bohne nicht stoppen. Geschickt wurde der Kaffee in Heu, Kohle, sogar in Särgen ins Land geschmuggelt…


Dieser Artikel ist der zweite Beitrag unserer Blog-Serie, in der wir detailliert auf die unterschiedlichen Phasen der Kaffee-Geschichte eingehen. Wer hat die Kaffeepflanze entdeckt und wie hat sich das belebende Getränk weltweit ausgebreitet? Welche wirtschaftliche und politische Bedeutung kam dem Rohstoff im Laufe der Jahrhunderte zu und welche Entwicklung hat Kaffee in den vergangenen 50 Jahren genommen? Diese Themen untersuchen wir in loser Reihenfolge in unserer Blog-Reihe „Die Geschichte des Kaffees.“

Lest auch Teil 1 zur Entdeckung des Kaffees: http://district-five.de/kaffeegeschichte/