Warum Finnland Kaffee-Europameister ist


Warum Finnland Kaffee-Europameister ist

Keine andere europäische Nation trinkt so viel Kaffee wie die Finnen. 12,2 Kilogramm Rohkaffee konsumiert jeder Finne im Schnitt pro Jahr. Eine Spurensuche

Sie lieben ihre „Kaffepaussi“. Mindestens zweimal treffen sich die Finnen während eines Arbeitstages an der Kaffeemaschine, um ihr Lieblingsgetränk zu genießen. Zwei viertelstündige Kaffeepausen stehen den finnischen Arbeitnehmern pro Arbeitstag zu. Kein Wunder, das koffeinhaltige Heißgetränk ist in dem skandinavischen Land ein Kulturgut.

12,2 Kilogramm an Rohkaffee verbraucht jeder Finne durchschnittlich pro Jahr. Damit sind die Nordländer einsame Spitze beim Kaffeeverbrauch in Europa, Europameister sozusagen. Weit dahinter, mit 10,1 Kilogramm, folgt auf Rang zwei eine weitere skandinavische Nation: Schweden. Die Top drei komplettiert Nachbar Norwegen (8,8 Kilogramm). Erst auf Platz sechs in der Liste der europäischen Kaffee-Hochburgen kommt Deutschland mit 7,2 Kilogramm.

„Kaffee prägt die Kultur des Zusammenkommens“

Warum wird in Skandinavien so viel Kaffee getrunken? Diese Frage hat sich auch Susanne Kippenberger vom Berliner „Tagesspiegel“ gestellt und ist in der finnischen Hauptstadt Helsinki auf Spurensuche gegangen. Die junge Schriftstellerin Riikka Pulkkinen erklärt, dass Kaffee für ihre Landsleute ein wichtiges Element der Gesellschaft sei: „Kaffee prägt die Kultur des Zusammenkommens.“ Kaffeetrinken, das sei, so die Autorin, wie Händeschütteln, ein beruhigendes Umarmen. Nur berühren müsse man sich dabei nicht. Ohnehin sind die Finnen nicht gerade als kommunikatives Völkchen verschrien. So eine Tasse Kaffee kann bei einem Gespräch so manches Wörtchen überflüssig machen.

Jeder Finne trinkt im Schnitt 1.310 Tassen pro Jahr

Am liebsten trinken die Finnen Filterkaffee, hell geröstete Bohnen. Der industrialisierte Kaffeekonsum á la Starbucks ist den Finnen bis heute weitgehend fremd. Umgerechnet 1.310 Tassen Kaffee trinken sie so pro Jahr. Finnland hat 5,4 Millionen Einwohner und wenig verbindet die Menschen so sehr wie eine gute Tasse Kaffee.

Es gibt auch andere Theorien, die erklären, warum gerade Skandinavier so viel Kaffee trinken. Sie selbst behaupten aus Gewohnheit, manche schieben es auf den langen und dunklen Winter. Der mache trübe und traurig, Kaffee sei da genau das richtige Lebenselixier. Außerdem wärmt er den kalten Körper auf.

Tatsächlich hat Kaffee eine lange Tradition in Finnland. Eines der ältesten Kaffeehäuser, das Café Ekberg, gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die bekannteste finnische Rösterei Paulig, 1876 gegründet, beherrscht den finnischen Kaffeemarkt. In großen Städten betreibt sie die Coffeeshop-Kette „Robert’s Coffee“.

Die „Tagesspiegel“-Journalistin spricht in ihrem Artikel mit Joe Lindquist, einem Angestellten bei der Stadt. Er sagt: „„Es ist eine wunderbare Art, den Morgen zu beginnen.“ Jeden Morgen treffen er und seine Kollegen sich im Pausenraum, um gemeinsam bei einem Schluck Kaffee in den Tag zu starten. „It cheers you up.“ Wer morgen als erster kommt, wirft die Maschine an. An der Wand hängen die Becher mit den Namen der Kollegen. Und wehe jemand rührt eine fremde Tasse an oder spült sie sogar aus. Erst die Kaffeeablagerungen in der Tasse machten den Kaffee richtig gut.


Hier der Beitrag aus dem Tagesspiegel zum Nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/essen-trinken/die-liebe-der-finnen-zum-filterkaffee-kaffepaussi/10789848.html