„Direct trade“: Mehr als fair


„Direct trade“: Mehr als fair

Auf immer mehr Lebensmittelpackungen kleben Fairtrade-Siegel. „Fair gehandelt“ heißt für viele: beste Qualität. Das ist Irrglaube. Nur wer den direkten Draht zum Erzeuger hat, kann höchste Kaffee-Qualität garantieren.

Geht es euch nicht auch so? Wenn ich im Supermarkt vor einem Lebensmittelregal stehe und statt der Billigware zum Premium-Produkt greife, verspüre ich ein kleines Glücksgefühl. Man muss sich auch mal was gönnen können. Stehen dann noch Begriffe wie „bio“ oder „fair gehandelt“ auf den Verpackungen, hab ich sogar etwas für mein gutes Gewissen getan. Extrapunkte fürs Karma-Konto.

Dabei gibt es inzwischen so viele verschiedene Label, Siegel und Zertifikate, dass man längst den Überblick verloren hat. Was genau heißt eigentlich „Fairtrade“?

Fairtrade zahlt eine Art Mindestlohn

Nähern wir uns dem Thema anhand der Kaffee-Erzeugung, dem wichtigsten Fairtrade-Markt.

Das bekannteste Siegel – ein in blau-grün-schwarz stiliserter Menschlein – gehört zu „Fairtrade international“. Das ist eine global agierende Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Arbeitsbedingungen von Kleinbauernfamilien und Plantagenarbeitern zu verbessern. Dazu gehören mehrere Maßnahmen: zum Beispiel der Zusammenschluss der Kaffeeproduzenten in Kooperativen, Zugang zu Beratung, Kredite und der Fairtrade-Mindestpreis. Diese Prämie ist das wichtigste Werkzeug des fairen Handels und soll den Kleinbauern trotz schwankender Weltmarktpreise für Kaffee ein solides Einkommen sichern. Er beträgt derzeit 1,40 US-Dollar pro Pfund und wird auch bezahlt, wenn der Weltmarktpreis darunter liegt. Ist der Börsenpreis höher, erhalten die Bauern natürlich diesen.

Zwischen 2013 und 2014 erhielten Kaffee-Organisationen 49 Millionen Euro an Fairtrade-Prämien. 80 Prozent der fair gehandelten Bohnen kommen nach Angaben von „Fairtrade Deutschland“ aus Lateinamerika und der Karibik. Die Deutschen gaben im Jahr 2014 über eine Milliarde Euro für die zertifizierten Lebensmittel aus – der Markt wächst rasant.

Das System hat Schwachstellen

Kritiker bezeichnen das System jedoch als ineffizient. Die hohen Preise für Fairtrade-Kaffee in den deutschen Supermarktregalen würden sich kaum in den Einkommen der Bauern in den Anbaugebieten niederschlagen. Außerdem müssten die Erzeuger erst einmal kräftig in die eigene Tasche greifen, um überhaupt als Fairtrade-Bauern anerkannt zu werden. Laut „Zeit online“ beträgt die Antragsgebühr 525 Euro, weitere 2.250 Euro werden für die Erstzertifizierung fällig.

Auch die Qualität des Kaffees ist umstritten. Denn Fairtrade ist nicht gleichzusetzen mit Spitzenqualität. So kritisieren Forscher, die sich mit dem Thema befasst haben, dass die Produzenten Bohnen von guter Qualität eher auf dem freien Markt bei höheren Preisen verkaufen und Bohnen von schlechterer Qualität zum Mindestpreis an Fairtrade abgeben.

Direkter Handel: Qualität und soziale Verantwortung

Deshalb setzt „District Five“ nicht auf das Fairtrade-Label. Stattdessen legen wir höchsten Wert auf die direkte Auswahl unserer Produzenten. Durch diesen direkten Draht zu den Kaffee-Bauern können wir nicht nur die Arbeits- und Lebensbedingungen auf der Plantage mitverfolgen und beeinflussen, sondern auch den Anbau selber. Durch „direct trade“ wollen wir unseren Anspruch an höchste Qualität mit unserer sozialen Verantwortung in Einklang bringen. Deshalb werden unsere Kaffee-Erzeuger weitaus höher bezahlt als mit dem Fairtrade-Mindestlohn.

Unsere Rohbohnen erhalten wir von Männern, die in ihrer Heimat ein Netzwerk an Farmern aufgebaut haben und den Rohstoff persönlich nach Europa exportieren. Es sind Männer wie Rodolfo Ruffatti Batlle aus El Salvador. Über ihn haben wir den direkten Draht zu den Plantagen, können uns über Details des Anbaus informieren und dadurch die Kaffeebohnen fast bis zum Strauch zurückverfolgen. Das Foto oben stammt übrigens von Rodolfos Farm in El Salvador. Man sieht die frisch geernteten Kaffee-Kirschen.

Beim „direct trade“ gibt es keine großen Händler, die zwischen uns als Abnehmer und den Kaffee-Erzeugern stehen. Durch den direkten Handel können wir die Plantagen mit dem nachhaltigsten und transparentesten Anbau auswählen. In El Salvador werden die Kaffeekirschen, deren Bohnen wir in unserer Rösterei veredeln, noch von Kleinbauernfamilien per Hand gepflückt und sorgfältig bearbeitet. El Salvador ist ein Land mit etwas über sechs Millionen Einwohnern und liegt in Zentralamerika am Pazifik südlich von Mexiko. Kaffee ist einer der wichtigsten Exportgüter des Landes.


Links zum Thema
http://www.ruffattibatlle.de/direct-trade/
http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-08/fairetrade-kaffee
https://www.facebook.com/rarb8?fref=ts
https://www.fairtrade-deutschland.de/was-ist-fairtrade/wirkung-von-fairtrade/zahlen-und-fakten.html