Diesem Kaffee erliegt sogar James Bond


Diesem Kaffee erliegt sogar James Bond

Die Chemex-Karaffe gibt es schon seit über 70 Jahren – in der Welt des Spezialitätenkaffees erfährt sie ein Revival

Breakfast was Bond’s favourite meal of the day. When he was stationed in London it was always the same. It consisted of very strong coffee, from De Bry in New Oxford Street, brewed in an American Chemex, of which he drank two large cups, black and without sugar.“
– Ian Fleming, Chapter 11, From Russia, With Love (1957)

Ist James Bond ein Urheber der heutigen Spezialitätenkaffee-Kultur? Zumindest hat der britische Spion schon vor über 60 Jahren seinen Filterkaffee selber aufgebrüht – und zwar in einer Chemex, einer heute häufig verwendeten gläsernen Karaffen-Filter-Konstruktion. So beschreibt der Romanautor Ian Fleming in seinem 1957 veröffentlichten Buch „Liebesgrüße aus Moskau“, wie Bond sich seinen Frühstückskaffee brüht: „schwarz und ohne Zucker“. Noch eine Parallele zur modernen Kaffeekultur.

Die Chemex wurde vom deutschen Chemiker Peter Schlumbohn entwickelt und 1941 patentiert. Der Wissenschaftler entwickelte das aus seiner Sicht perfekte Design für handgebrühten Filterkaffee: Er kombinierte einen Erlenmeyerkolben – das Standardgefäß für jegliche Flüssigkeiten in der Chemie – mit einem Trichter, den er durch eine kleine Ausbuchtung ergänzte. Um den Trichterhals legte Schlumbohm eine Holzmanschette, damit man sich am heißen Glas nicht die Finger verbrannte. Auch wenn das James Bond wahrscheinlich nicht gestört hätte. Der deutsche Chemiker, der im Nationalsozialismus in die Vereinigten Staaten emigriert war, hatte damit das perfekte Filterkaffee-Instrument konstruiert. Mit seinem an den Bauhaus-Stil angelehnten Design wurde die Glaskaraffe zum Design-Meisterwerk. Heute steht die Chemex sogar im New Yorker Museum of Modern Arts (MoMa).

Spezieller Filter sorgt für klaren Geschmack

Neben dem einzigartigen Design begeisterte sich 007 wohl besonders für den klaren Geschmack des Chemex-Kaffees. Für die Glaskaraffe gibt es spezielles, vorgefaltetes Filterpapier, das dicker und feinporiger ist als andere Filter. Dadurch entzieht es dem Kaffee mehr Öle und lässt kaum Kaffeepartikel durchdringen. Es bildet sich so gut wie kein Kaffeesatz am Tassenboden. Durch seine spitz nach unten verlaufende Form verbessert der Chemex-Filter außerdem die Extraktion des Kaffeepulvers. Durch die schmale Rinne im Chemex-Trichter tritt der heiße Wasserdampf aus der Karaffe aus und man kann den Kaffee nach der Extraktion komfortabel in die Tasse gießen.

Und so geht’s

Bei der Chemex gibt es unterschiedliche Größen mit Volumen von von drei bis zehn Tassen. Wie bei anderen Papierfiltern sollte man auch bei dieser Art der Kaffeezubereitung den Filter erst mit heißem Wasser ausgießen, um den leichten Eigengeschmack des Papiers zu entfernen. Erst dann sollte man das Kaffeepulver in den feuchten Filter geben und mit etwa 95° Celsius heißem Wasser aufbrühen. Nach dem Bloom – dem gleichmäßigen Benetzen des Pulvers und dem darauffolgenden Aufquellen – gilt es auf eine gefühlvolle Extraktion zu achten: Das Wasser sollte vollständig durchlaufen, ohne die Extraktion zu unterbrechen. Danach entfernt man den Filter und schwenkt die Kanne, damit sich der Kaffee gleichmäßig verteilt.

Achja: Nicht nur James Bond hatte ein Faible für den Kaffee aus der Chemex. Auch Joey Tribbiani, der etwas naive aber liebenswerte Frauenheld aus der Erfolgsserie „Friends“, bereitet seinen Kaffee in einer Folge mit der Chemex zu.


Hier geht’s zur Seite des MoMa und deren Beschreibung der Chemex als Design-Objekt: https://www.moma.org/collection/works/1847