Von Ziegen und Wombats: Café-Tipps aus Aarhus


Von Ziegen und Wombats: Café-Tipps aus Aarhus

Aarhus-Serie (II) Das Wintersemester in Dänemark kann schnell trist und kalt werden. Was dagegen hilft, ist ein warmer Kaffee. Natürlich muss der auch gut schmecken. Wo es in Aarhus die besten Spezialitäten gibt

Während in Deutschland derzeit ein Rekordsommer sein spätes Ende findet, hat sich der Herbst in Dänemark schon im August breitgemacht – mit Regen, Wind und sehr viel Grau. Was bleibt einem also anderes übrig, als sich in das nächstbeste Café zu kuscheln, einen Flat White zu bestellen und sich vom köstlichen Kaffee die vom rauen Wetter geschundene Seele streicheln zu lassen? Heute ist mal wieder so ein Tag: Steife Böen peitschen durch die Küstenstadt, auf dem Weg von der Uni fegt mich der Wind fast vom Radweg auf die Straße. Kalter Regen prasselt auf meine Kapuze. Während ich noch den Berg von der Uni Richtung Stadt hinunterrolle und meinen Lenker festkralle, um nicht vom nächsten Windstoß aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden, denke ich nur an eines: einen warmen Kaffee.

Weil es ziemlich viele solcher Tage gibt, hatte ich schon so einige Gelegenheiten, die Café-Szene in Aarhus unter die Lupe zu nehmen. Ein leckeres Vergnügen. Hier kommen Entdeckungen, die ich Aarhus-Besuchern besonders ans Herz legen würde:

Ein kleiner Container am Hafen von Aarhus: Unscheinbar aber unschlagbar, was den Geschmack des Kaffees angeht. Das Pop-up-Café von Streetcoffee direkt am Hafenbad von Aarhus war das erste Café, das ich aufgesucht habe, als ich Anfang August in der Stadt ankam (zu der Zeit konnte man sich sogar noch in das Meer stürzen, ohne zu erfrieren). Sehr nette Mitarbeiter, die ihr Handwerk auf jeden Fall verstehen. Für meinen Geschmack gibt es hier den besten Flat White der Stadt. Ihre Bohnen bezieht die Firma von Union Coffee Roaster aus London.

An La Cabra führt für Fans von Spezialitätenkaffee kein Weg vorbei. Die Rösterei aus Aarhus wurde schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Warum? Weil La Cabra seit der Gründung 2013 Standards setzt, was die Qualität der Röstung und die Zubereitung sowie Präsentation der Kaffeespezialitäten betrifft. Wer das Café im angesagten Latinerkvarteret der Stadt besucht, erkennt sofort: Hier stimmt jedes Detail. Nicht nur die regelmäßig wechselnden Variationen und das professionelle Equipment vermitteln ein Gefühl von makelloser Qualität. Auch das Design, inspiriert vom typisch dänischen Minimalismus, stimmt. La Cabra ist spanisch und bedeutet im Deutschen: die Ziege. Ein Ziegenkopf prägt auch den Markenauftritt der Rösterei. Das zeigt, dass sich das junge Unternehmen auch der Geschichte des Kaffees verpflichtet fühlt. Schließlich besagt die Legende, dass einst Ziegen im heutigen Äthiopien einen Kaffeestrauch anknabberten und sich deshalb merkwürdig verhielten. Woraufhin der Ziegenhirte – ein Mönch – die Kirschen dieser Pflanze genauer unter die Lupe nahm und schließlich den Kaffee entdeckte.

Auf den Spuren von Volkswagen wandeln scheinbar die Betreiber dieses Cafés am Rande des Stadtzentrums. Nicht nur der Name erinnert an den deutschen Autohersteller. Das Design des Cafés ist komplett auf den alten Hippie-VW-Bus ausgelegt. Es gibt Poster, Kissen, und Blechtafeln, die an das Hippie-Mobil erinnern. Trotzdem kommt das nicht kitschig rüber, sondern verkörpert viel mehr das dänische Verständnis von „Hygge“. Hygge lässt sich nicht eins zu eins ins Deutsche übersetzen, sondern beschreibt eher den dänischen Lifestyle, es sich so gut wie überall gemütlich machen zu können. Gemütlich ist das Café auf jeden Fall, man sitzt auf mit Kaffeesäcken überzogenen Polstern und kann den Blick aus einem Schaufenster auf eine pulsierende Stadt werfen, während man sich selbst eine Auszeit gönnt – zum Beispiel mit einem wirklich leckeren Cortado.

Nur einen Steinwurf von meinem Apartment entfernt, auf dem durchgestylten Gelände der VIA College University, gibt es dieses kleine Schmuckstück. Das Lazy Wombat ist gleich aus mehreren Gründen ein ziemlich cooles Café. Erstens: Es gehört Australiern. Australien ist die Wiege der Third Wave, also der Spezialitätenkaffee-Bewegung. Man muss also nicht um den halben Globus fliegen, um einen Eindruck von australischer Kaffeekultur zu bekommen. Zweitens: Das Café ist nicht nur ein Café, sondern auch eine „micro-bakery“. Wer hineingeht erblickt sofort die offene Küche und riecht den Duft von frischgebackenen Croissants, von denen manche behaupten, sie wären die besten der Stadt. Drittens: Der Name. Allein für den Namen „The Lazy Wombat“ muss man dieses Café schon lieben. Und dann werben sie auch noch mit diesem knuddeligen Fellknäuel!